diary of my personal inquiry

Die richtige Frage ist wichtiger als die Antwort

Unsere Kultur bevorzugt denjenigen der Antworten hat. Im Beruf sind schnelle Antworten gefragt, so demonstriert man Kompetenz. Schon in der Schule lernen wir, dass nur die richtigen Antworten einen weiterbringen. Es gibt es auch fast immer nur eine richtige Antwort auf die Frage, nämlich die des Lehrers.

Wenn es aber auf eine Frage mehr als eine richtige Antwort gibt, wenn sich durch die Antwort die Frage verändert, dann verwirrt das viele: Antworten geben Sicherheit, Fragen irritieren. Das ist ihre Stärke. Dadurch, dass unsere Sicherheit und Bestimmtheit ins Wackeln gerät, schaffen wir Raum für neue Erkenntnisse. Das wusste auch schon der griechische Philosoph Sokrates. Er entwickelt die Kunst, durch Fragen in die Tiefe der Seele vorzudringen und so ein tieferes Verständnis für das eigene Selbst, die treibenden Motive und beschränkenden Annahmen zu gewinnen.

Gerade in Zeiten, in denen sich vieles verändert, es nicht mehr klar ist, was das Richtige ist, wo viele Ziele und Werte überholt erscheinen, ist es wichtiger zu fragen, als zu wissen. Nur wer die richtigen Fragen stellt, schafft die Voraussetzung, dass Neues erschaffen wird. Viele schnelle Antworten sind häufig nicht in der Lage die aktuellen Probleme zu lösen. Sie basieren häufig auf vergangenen Erfahrungen oder früheren Erfolgen, die jedoch unter ganz anderen Umständen entstanden sind, als denjenigen die jetzt und in der Zukunft zu erwarten sind. Fragen helfen uns, uns zu versichern, dass wir noch das Richtige wollen, dass wir uns in die richtige Richtung bewegen und zu ermitteln, inwiefern sich die Umgebungsvariablen verändert haben, ohne das wir dies auf den ersten Blick mitbekommen haben.

Auch wenn Fragen mächtige Werkzeuge zur Erkenntnis von sich selber und Anderen sind, so sind sie jedoch nicht sehr beliebt. Den Herrschenden des klassischen Athen gingen Sokrates Fragen so sehr auf die Nerven und verunsicherte sie so stark, dass sie ihn anklagten und zum Tode verurteilen. Kein Wunder, dass sich heute viele gar nicht mehr trauen Fragen zu stellen. So fragte mich neulich eine Freundin, ob es denn nicht lächerlich wirken würde, wenn man Fragen stellen würde. Ich meine, dass ist nicht lächerlich, sondern überlebensnotwendig. Trauen wir uns und hinterfragen häufiger und tiefer.


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