diary of my personal inquiry

Über Patriotismus

Alle zwei Jahre flammt die Patriotismus-Debatte in Deutschland wieder auf. Immer wieder dann, wenn Fußball-begeisterte Massen sich die Wangen in Schwarz-Rot-Gold einfärben und die Nationalflagge schwenken. Die Kampflinien der Diskussionen sind auch schon vorgezeichnet: Auf der einen Seite diejenigen, die im Ausdruck deutscher Nationalbegeisterung nur kindlichen Spass und Eventkultur ausgedrückt sehen, und auf der anderen Seite diejenigen, die hierin die verbrämte Variante des übelsten deutschen Nationalmus hervor blitzen sehen, die eigentlich nachhaltig seit dem 2. Weltkrieg verbannt und verschwunden sein sollte.

Ich selber fühle mich in dieser Frage gespalten. Häufig im Ausland arbeitend, merke ich, dass ich deutsch bin. Etwas scheint die verschiedenen Nationen zu prägen und voneinander zu unterscheiden. Ich selber bezeichne mich als “Europäer” und fühle, dass es noch ein weiter Weg ist zu einer gemeinsamen europäischen Identität. Wahrscheinlich ist dazu mehr notwendig, als Ich bin auch stolz, auf die Sachen, die wir als Nation gut hinbekommen, zum Beispiel unser Grundgesetz, unsere Demokratieverständnis und auch, dass wir nicht gleich dem “Krieg gegen den Terror” hinterher gelaufen sind und den Irak besetzt haben. Auch bin ich stolz darauf, dass wir unsere besondere Verantwortung im Zusammenspiel mit Israel wahrnehmen und trotzdem ein gutes Verhältnis zu den  meisten islamischen Nationen haben. Da gibt es noch einiges auf das ich stolz bin und einiges, wo ich mich schaudernd abwende.

Die deutsche Vergangenheit ist keine Schande für mich, sondern eine Verpflichtung. Eine Verpflichtung zur Menschlichkeit, zur Demokratie, zur Freiheit der Andersdenkenden und zum kritischen Denken. Ich würde mir wünschen, wenn wir zu einem positiven Bewusstsein unserer eigenen Nation und zukünftig Europas kämen. Am schönsten ausgedrückt hat das, was ich mir wünsche, Bert Brecht in seiner Kinderhymne:

Kinderhymne (1949)


Anmut sparet nicht noch Mühe
Leidenschaft nicht noch Verstand
Daß ein gutes Deutschland blühe
Wie ein andres gutes Land

Daß die Völker nicht erbleichen
Wie vor einer Räuberin
Sondern ihre Hände reichen
Uns wie andern Völkern hin.

Und nicht über und nicht unter
Andern Völkern wolln wir sein
Von der See bis zu den Alpen
Von der Oder bis zum Rhein.

Und weil wir dies Land verbessern
Lieben und beschirmen wir’s
Und das liebste mag’s uns scheinen
So wie andern Völkern ihrs.

 Das ist meine “heimliche” deutsche Nationalhymne.

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