diary of my personal inquiry

Ein Klick und es ist vorbei: Ohne Amazon, dafür wieder mit Spass

Kaffee BurgWien, irgendwann Ende der 80iger Jahre kurz vor Weihnachten. Ich bummel durch die Innenstadt zwischen Stephansdom und Hofburg, schaue in die verschiedenen Geschäfte. Lauter traditionelle österreichische Läden, lauter Sachen in den Auslagen, die ich so aus München nicht kannte. Verkäuferinnen, die mich fachkundig bei der Auswahl des neuen Anzugs beraten, Verkäufer die mir Pflegetipps für die Lederschuhe mit auf den Weg gaben.

Dreiundzwanzig Jahre später, wieder in Wien. Schlendern in der Innenstadt. Zara, H & M, Subway, Pinky, American Apparel reihen sich aneinander. Die Standardgeschäftsausstattung aller Städte zwischen Vancouver, über Hamburg, Dubai bis nach Singapur dominiert auch die österreichische Hauptstadt. Damit ist für mich bereits ein Großteil des Spasses am Urlaubsshopping verschwunden, denn es macht keinen Unterschied wo ich einkaufen gehe, die Ketten sind überall die gleichen.

Ich wohne in Hamburg, genauer gesagt in Eppendorf, ein Stadtteil der bekannt ist für die dicken Autos und Portemonnaies seiner Bewohner, die vielen Restuarants und Cafés sowie die vielen kleinen, indivduellen Läden und Boutiquen. In den letzten Jahren verändert sich auch hier langsam die Struktur, statt inhabergeführte Restaurants breitet sich Systemgastronomie aus. Mama Restaurant, Starbucks und Balzac finden sich überall im Vietel. Schuhladen nach Schuhladen verschwindet und wird durch Kettenparfümerie ersetzt.

Schaue ich mich selber an, dann bin ich daran bestimmt nicht unschuldig. Die missgelaunten Mitarbeiter verschiedener Paktedienste geben sich die Klinke in die Hand und in unseren Haushalt ergiesst sich ein stetiger Strom von Päckchen der verschiedenen Internethändler, allen voran Amazon. Seit 1997 bin ich Kunde bei Amazon.com und kaufe fast alles dort. Was im wesentlichen Bücher und Gadgets sind. Klamotten und Schuhe kaufe ich eher selten im Versandhandel, da es mich nervt, nie auf Anhieb etwas Passendes zu finden. Selbstverständlich kaufe ich nun die meisten Bücher für meinen Amazon Kindle.

In diesem Jahr stellte ich allerdings bei mir eine wachsende Müdigkeit im Online-Shopping fest. Die Freude am One-Klick-Shoppen war weg. Sachen schnell zu bekommen, ist für mich nicht mehr so wichtig. Ich hatte plötzlich mehr Freude, mit meinem lokalen Weinhändler Empfehlungen auszustauschen, die Amazon-Empfehlungen hatten weniger spannendes für mich parat, als dass Schaufenster meines lokalen Buchhändlers und mein lokaler Schuhhändler hat noch echtes Handwerk im Angebot. Auch hebt es enorm mein Laune, wenn ich mich zu Fuß oder per Rad auf den Weg zum Händler mache und meine gefunden Schätze sofort nach Hause tragen kann und ich nicht auf den Paketbote warte, der dann doch nur einen Zettel in Briefkasten wirft, dass ich nicht dagewesen sei. Die Weihnachtsgeschenke habe ich, wo es ging und Spass machte, bei lokalen Händler gekauft, fein hübsch selber verpackt und mit handgeschriebenen Anhängern versehen. So gab es ein klein bißchen weihnachtliche Vorfreude anstatt das Gefühl, eine To-Do-List abgehakt zu haben.

Ich werde jetzt nicht mein Amazon Kundenkonto kündigen und nur noch mit dem Hackenporsche durch die Nachbarschaft ziehen, aber da wo ich Wert auf Beratung, Handwerk und Inspiration lege, werde ich ab jetzt meine Sachen in lokalen Geschäften kaufen. Ich möchte das Engagement dieser Ladenbesitzer und ihrer qualifizierten  Mitarbeiter belohnen und nicht am Ende mich nur noch von Amazon und Zalando per Lieferdrohne mit Konsumprodukten vollstopfen lassen.

Konzentration auf das Wesentliche

SteinpyramideFokus. Nichts ist mir zur Zeit so wichtig, wie Fokus: Mich konzentrieren, Ablenkungen ausblenden, das Wichtige im Auge behalten. Nur so gelingt es mir, Zeit zu schaffen für das, was mir wichtig ist. Die meisten Dinge, mit denen ich meine Zeit verbringen kann, bringen mich nicht weiter. Es sind wenige Dinge, die wirklich wichtig sind und die richtig Spass bringen. Die sind es, die zukünftig meinen Tag füllen sollen.

Mein Gehirn ist hervorragend fähig, dutzende paralleler Aktivitäten und Ereignisse parallel im Blick zu behalten und schnell zu reagieren, wenn etwas Aktion erfordert. Leider ist es nur begrenzt begeistert, sich auf eine Sache zu beschränken und sich voll zu konzentrieren. Es windet sich und erfindet ständig neue Argumente, warum es wichtig ist alles andere im Blick zu behalten. Alles was “Neu!”, “Wichtig!” oder “Dringend!” schreit, fesselt sofort meine Aufmerksamkeit. Und das tut es unablässig: E-Mail Notifications, Twitter Direct Messages, Facebook Status-Updates, Telefonanrufe, SMS ein ständiger Schrei nach Aufmerksamkeit. Und wenn zufällig gerade kein Update kommt, dann suche ich nach spannendem Input. Es könnte ja sein, dass ich einen wichtigen Text übersehe, oder gar the next big thing

Aber jetzt ist Schluss. In der letzten Woche hatte ich Fieber und Kopfschmerzen. So stark, dass ich mich noch nicht mal lange genug konzentrieren konnte, um mehr als zwei Tweets am Stück zu lesen. Die Helligkeit der Displays brannte sich in meine Retina. Darüber hinaus verursachten mir die meisten Tweets und Facebook-Updates noch mehr Kopfschmerzen. Eine Leere breitete sich in meinem Kopf aus und ließ sich nicht mehr entfernen.

Eine Woche lang fasste ich den Rechner nicht mehr an und liess mein Smartphone links liegen. Ich las Papierbücher und schrieb in Papiernotizbücher. Die Unruhe legte sich und das Gefühl etwas zu verpassen auch. Was wichtig war, kristallisierte sich in einfachen Listen und der Arbeit stand nichts im Weg.

Das war es, wohin ich wollte. Und jetzt hat es geklappt. Dazu brauchte ich nicht mehr, sondern weniger. Weniger Technik, weniger sinnlose News, mehr Zeit für mich.

Schlafmangel macht dick & verrückt

Zeit im Schlaf verbracht, ist unproduktiv. Selbstoptimierer arbeiten hart, um mit wenig Schlaf auszukommen. Doch das kann unkreativ und dick machen.

Der Philosoph Han Byung-Chul nennt unsere momentane Gesellschaft, eine Müdigkeitsgesellschaft. Globalisierung, der Wettbewerb um Produktivität fordern scheinbar 24/7 Verfügbarkeit und Einsatz. Das zwingt viele, über die selbstgetriebene Optimierung hinaus, mit wenig Schlaf auskommen: Menschen im Schichtdienst, frisch gebackene Eltern, Menschen mit Schlafstörungen. Diese kennen einige der negativen Folgen von zuwenig Schlaf. Und diese sind massiv:

  • Kurzschlafanfälle z.B. während Autofahrten
  • Eingeschränktes Urteilsvermögen in kritischen Situationen
  • Reduziertes Kreativität
  • Heißhunger auf Kohlenhydrate und insbesondere Zucker

Die Folgen haben ihre Ursache in der neurobiologischen Funktion des Schlafes. Der Neurobiologe Russel Foster hat den aktuellen Stand der Forschung zum Thema Schlaf perfekt aufbereitet und gibt wertvolle Hinweise, wie man am besten schläft:

Der Vortrag war für mich ein Auslöser, intensiver darüber nachzudenken, ob das, was wir als Leistungsorientierung bezeichnen wirklich Leistung schafft.

Hamburgs wilder Süden (Radtour)

Das Frühjahr sieht dieses Jahr auch nicht anders aus, als der Herbst im letzten Jahr. Trotzdem halte ich es ohne Radtouren nicht mehr aus. Also ließ ich mich von den trüben Aussichten nicht aufhalten und brach auf, Hamburgs wilden Süden zu erkunden. Durch den Hafen bis auf die äußerste Spitze der Wilhelmsburger Insel wollte ich… Continue Reading

Strolling through London

Endlich! Mal wieder in London und ein bißchen Zeit für ein paar Spaziergänge in der Stadt. Da mir das bis jetzt noch nie so recht gelungen war, habe ich schamlos alle touristischen Standardziele besucht und mich an den Wege dazwischen erfreut. Die meiste Zeit waren wir zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs. Am spannensten… Continue Reading

Unterwegs 2.0

Meine Formel für ein besseres Unterwegssein: Bahn + Faltrad = Perfekte Reise. Seit 2 Jahren leiste ich mir nun den Luxus einer BahnCard 100 und geniesse es. Beruflich bin ich viel unterwegs, mindestens einmal die Woche pendele ich zwischen Hamburg, Frankfurt oder Essen. Mit dem Auto wäre mir das zu anstrengend, da ich in der Regel… Continue Reading

Elbspaziergang – ein toller Post von kurzundknapp

Hamburg bietet viel für’s Auge, den Kopf und die Seele. Neben den Reizen der Großstadt bietet Hamburg auch wunderschöne Momente in der Natur. Für mich ist ein Spaziergang entlang der Elbe eines der Highlights. Gerade deswegen habe ich mich so sehr über “Soweit die Füße tragen” gefreut. Dieser Post von kurzundknapp beschreibt einen Spaziergang von… Continue Reading

Über Patriotismus

Alle zwei Jahre flammt die Patriotismus-Debatte in Deutschland wieder auf. Immer wieder dann, wenn Fußball-begeisterte Massen sich die Wangen in Schwarz-Rot-Gold einfärben und die Nationalflagge schwenken. Die Kampflinien der Diskussionen sind auch schon vorgezeichnet: Auf der einen Seite diejenigen, die im Ausdruck deutscher Nationalbegeisterung nur kindlichen Spass und Eventkultur ausgedrückt sehen, und auf der anderen… Continue Reading

Voltaire und Friedrich der Große: Sire, ich eile!

Die ersten Rezensionen in der Zeit und der F.A.Z zu dem neuen Werk von Hans Schädlich lasen sich so gut, dass ich das Buch unbedingt kaufen musste. Schädlich konzentriere mit präziser Sprache den Konflikt zwischen dem Machtmensch Friedrich II und dem Philosophen Voltaire. Spannend war es für mich, diesem Wechsel von Verehrung, Besitzansprüchen, Indifferenz und… Continue Reading

Spaziergänge in Rom

Ich liebe Rom und ich liebe die Bücher von Marco Lodoli. Ursprünglich erschien die Texte als Kolumnen in der italienischen Tageszeitung La Rebbublica. Sie beschreiben kleine Inseln in Rom abseits der Touristenpfade, an denen man das besondere, das ursprüngliche Rom spüren kann. Spaziergänge zu Orten die man im Getümmel und angesichts der großen und bekannten… Continue Reading